Zauberhafte Kammermusik - Philharmonische Gesellschaft Paderborn e.V.

Zauberhafte Kammermusik

Westfälisches Volksblatt

Von Günther Wiedemann

Konzert 4 | 11.03.2018

Leipziger Gewandhaus-Quartett brilliert in der Kaiserpfalz

Paderborn (WV). Nach 2010 ist es der Philharmonischen Gesellschaft Paderborn gelungen, das zu den führenden Kammermusikensembles zählende Leipziger Gewandhaus-Quartett erneut in die Aula der Kaiserpfalz einzuladen.

Dass bei den vielfach ausgezeichneten Künstlern Frank-Michael Erben und Conrad Suske (Violine), Anton Jivaev (Viola) und Jürnjakob Timm (Violoncello) stets der musikalische Zusammenhalt im Vordergrund steht, bewies am Sonntag bereits die Wiedergabe des Streichquartetts Nr. 5 f-Moll von Antonin Dvorak, der mit seiner Komposition an die klassische Streichquartett-Tradition anknüpft. Wie in einem Gespräch trifft hier die liedhafte Melodik auf die Kunst der Themenverarbeitung, entwickelt sich aus der dunklen Färbung des ersten Satzes nach zwei intermezzohaften Episoden das optimistische Finale, wobei die Komposition zugleich immer stärker von volksliedhaften Elementen durchdrungen wird. Gefühlvoll in der gemeinsamen musikalischen Gestaltung kultivierten die Musiker ein plastisches und zugleich empfindsames Spiel, das sich durch einen warmen und intensiven Gesamtklang auszeichnete.

Der »langsame Satz für Streichquartett« von Anton Webern bewegt sich genau an der Grenze zwischen früher Moderne und Brahms-Tradition. Besondere Streichereffekte, die den Weg zu einem neuen, ätherischen Klang weisen und eine Melodie, die »reden müsse wie ein gesprochener Satz« (Webern), bestimmen das einsätzige Werk. Klanglich äußerst differenziert deckte das Ensemble die kompositorische Logik sowie die Mehrschichtigkeit der Gefühlswelten emotional-spannungsgeladen auf und verdichtete sie in vielen Details kammermusikalisch sensibel.

Die drei Streichquartette von Robert Schumann gelten heute als Höhepunkte der gesamten Gattung. Zu den wichtigen Uraufführungen des Gewandhaus-Quartetts, das auf eine Geschichte von mehr als 200 Jahren ohne Unterbrechung zurückblicken kann, zählt sein Streichquartett a-Moll, das in der Kaiserpfalz nach der Pause erklang. Ob im »Allegro« mit seinem lyrischen ersten Thema und den mannigfachen polyphonen Ansätzen, dem heiteren »Scherzo« mit seiner poetisch-empfindungsvollen Melodik in der Violine, dem »Adagio« mit weit ausschwingendem Gesang oder dem »Presto« mit seiner ungebrochenen Lebensfreude: Hier waren die Leipziger Musiker ganz in ihrem Element.

Es stimmte einfach alles: Makellos in Bogenbeherrschung, Intonation und Homogenität der Phrasierungen musizierten die vier Streicher als gleichberechtigte Partner mit bewundernswertem Gespür für eine ausgewogene Balance des Gesamtklangs in der Wahl der Tempi und der Dynamik, so dass sich eine kammermusikalisch-schwebende Transparenz wie von selbst ergab. Das in geradezu atemloser Stille zuhörende Publikum applaudierte lang anhaltend und begeistert. Als Zugabe krönte und verzauberte das Leipziger Gewandhaus-Quartett mit überaus fein gezeichneten Klängen von Felix Mendelssohn Bartholdy einen herausragenden Kammermusikabend auf hohem musikalischen Niveau.

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