Wunderbare Melodien - Philharmonische Gesellschaft Paderborn e.V.

Wunderbare Melodien

Neue Westfälische

Von Ulla Meyer

Konzert 6 | 11.06.2017

Philharmonische Gesellschaft: In der Kirche St. Kilian erlebt das Publikum den soliden Abschluss einer überzeugenden Konzertsaison. Das Ensemble Schirokko spielt Wassermusik

Paderborn. Es muss nicht immer die Kaiserpfalz sein, die St. Kilianskirche in der Südstadt klingt auch sehr gut. Aus allseits bekannten logistischen Gründen entführte die Philharmonische Gesellschaft ihre Fans zum Saisonabschluss in eine 60er-Jahre-Kirche, die ihre Besucher mit Ledersesseln, Palmen und einer Kinderspielecke willkommen heißt. Atmosphärisch wurde diese Willkommenskultur noch durch sanftes LED-Licht getoppt, das die leicht abstrakten Kirchenfenster immer wieder die Farben wechseln ließ.

Das Programmheft versprach Vivaldi, Telemann und Schubert nach der Pause, wo man doch Händel erwartete. Doch Thomas Berning klärte schnell auf, denn den ausgedruckten Schubert gab es schon im letzten Konzert, alles passierte wie erwartet und nach der Pause erklang die Wassermusik. Es musizierte das Ensemble Schirokko Hamburg, Profimusiker in Sachen Alte Musik, die den historischen Klang möglichst authentisch rüberbringen und mit neuer Energie beleben wollen.

Was man in Antonio Vivaldis Concerto F-Dur mit dem wunderbaren Titel "La Tempesta die Mare" auch deutlich hört. Der Sound ist spritzig, Blockflöte und Barockoboe als Soloinstrumente bestimmen den Klang ohne zu dominieren, und im schlussendlichen Presto zeigt sich eindrucksvolle Virtuosität.

Das Problem der alten Musik ist die Stimmung, die erstens sehr aufwendig ist und zweitens selten lange hält, bei zu hoher Luftfeuchtigkeit wie am Sonntag schon gar nicht. Konzertmeisterin Rachel Harris trägt das etwas tiefere A von Musiker zu Musiker, wie eine Mutter, die etwas ganz Wichtiges zu verteilen hat, bis es dann irgendwann tatsächlich stimmt.

Fagott und zwei Oboen blasen eine Art Fanfare, bevor Telemanns "Wassermusik" erklingt, eine Orchestersuite mit programmatischen Untertiteln, die witziger nicht sein könnten. Zum Beispiel "Der scherzende Tritonus", eine simple Melodie, die zwei Oboen mit dem "Teufelsintervall" necken oder die ebenso einfach wie fetzige Melodie zu "Die erwachende Thestis". Das Ensemble Schirokko, geleitet von Thomas Berning, spielt auf den Punkt, hat Tempo und Esprit, sackt nur leider immer wieder in der Stimmung, die dann auch nachgebessert wird.

Nach der Pause ging es wie versprochen mit der nächsten "Wassermusik" weiter, jetzt die von Georg Friedrich Händel, die alle kennen und auf die sich jeder in der natürlich sehr gut besuchten Kilianskirche freut. Um diese wunderbaren Orchestersuiten ranken bühnenreife Erzählungen und auch die eingängigen Melodien machten dieses Werk zu einer Art Volksmusik. So wurden alle Erwartungen zu vollster Zufriedenheit erfüllt, auch die an die Hornisten, die Großes leisteten und ihren Sonderapplaus redlich verdienten. Ein solider Abschluss einer überzeugenden Konzertsaison der Philharmonischen Gesellschaft.

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