Virtuoses Wechselspiel mit dem Orchester - Philharmonische Gesellschaft Paderborn e.V.

Virtuoses Wechselspiel mit dem Orchester

Neue Westfälische

Von Johannes Kühle

Konzert 3 | 12.02.2017

Konzert: Die Solistin Lara Boschkor und die Jungen Sinfoniker bieten einen vielseitigen Auftritt. Sie spielen Werke von Franz Liszt, Alexander Glasunow und Felix Mendelssohn-Bartholdy

Paderborn. Energiegeladen und spielfreudig gastierten am Sonntagabend die Jungen Sinfoniker OWL auf Einladung der Philharmonischen Gesellschaft in der Paderhalle. Unter dem sympathisch engagierten Dirigat des Bielefelder Theaterkapellmeisters Pawel Poplawski präsentierten die etwa 70 jungen Musikerinnen und Musiker verschiedene Werde der europäischen Romantik,: im ersten Teil die sinfonische Dichtung "Les Préludes" von Franz Liszt und das Violinkonzert es Russen Alexander Glasunow; im zweiten Teil, passend zum Lutherjahr 2017, die Reformationssinfonie von Felix Mendelssohn-Bartholdy.

Franz Liszt betrachtete "Les Préludes" als ein existenzielles Werk, als Darstellung des gesamten menschlichen Lebens. Das Stück umfasst entsprechend vielfältige Stimmungen: Von anfänglich unterschwelliger Spannung steigern sich Bläser und Streicher im Laufe des Stücks gegenseitig zu dramatischen Tuttiklängen. Eine Schwierigkeit liegt in den offenen, schwebenden Stellen, an denen nur einzelne Instrumente miteinander konzertieren. Doch auch diese Passagen werden wirkungsvoll dargeboten. Die letzten Takte der sinfonischen Dichtung lassen in ihrer dynamischen Wucht und Energie ungarische Einschläge erkennen. Das macht Lust auf die weiteren Beiträge des vielversprechenden Programms.

Mit Lara Boschkor konnten die Jungen Sinfoniker eine sozusagen gleichaltrige und dennoch bereits international renommierte Solistin gewinnen. Die vielfach ausgezeichnete 17-jährige Violinistin brilliert durch ihren in allen Tonlagen differenzierten, nicht überladenen Klang. Das Violinkonzert von Glasunow, ein Vorzeigewerk der russischslawischen Spätromantik mit teils auffällig modernen Klangfarben, passt in seiner Vielfalt gut zu der jungen Solistin.

Mal präsentiert Boschkor ausschweifende solistische Passagen, dann tritt sie mit dem Orchester wieder in ein Wechselgespräch, manchmal sogar in einen Widerstreit. Ihre intensive Gestik verleiht der Darbietung einen schauspielhaften Ausdruck, sie wechselt souverän zwischen pathetischen und feinfühligen, verletzlichen Passagen. Das Orchester zeichnet die verschiedenen Stimmungen und Ausdrucksformen gekonnt nach. Das Paderborner Publikum nahm die virtuose Darbietung mit großer Begeisterung auf. Umso beeindruckender ist es, dass Boschkor noch die Energie für eine lange und technisch ebenso anspruchsvolle Zugabe aufbringen konnte.

Seine Reformationssinfonie vollendete Mendelssohn im Alter von nur 21 Jahren, und vielleicht überträgt sich daher die musikalische Intensität dieses Werks so gut auf die jungen Musiker. Hier geht es richtig zur Sache; satte Streicherklänge, starke Soli in den Holzbläsern und leidenschaftlich aufspielendes Blech. Doch auch die tänzerisch-verspielten Klänge im lebhaften zweiten Satz wirken überzeugend, und im dritten Satz spielt das Orchester wie schon zuvor mit drohenden Spannungen, die sich immer wieder schlagartig entladen.

Und plötzlich sind insbesondere in den Posaunen deutlich Zitate von Kirchenchorälen herauszuhören: Ganz im Sinne des Titels "Reformationssinfonie" ist der Schlusssatz nach dem Luther'schen Choral "Ein feste Burg ist Gott" benannt. Auch den Stimmungswechsel hin zur liturgischen Musik vollzieht das Orchester jedoch souverän.

Für den vielseitigen Auftritt wird das Orchester von einer fast ausverkauften Paderhalle mit viel Beifall bedacht. Als Zugabe lässt Poplawski, der als Gastdirigent sichtlich ein persönliches Verhältnis zu seinen Schützlingen aufbauen konnte, das Stück "Nimrod" aus den Enigma-Variationen des Briten Edward Elgar spielen.

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