Tonschön und technisch souverän - Philharmonische Gesellschaft Paderborn e.V.

Tonschön und technisch souverän

Westfälisches Volksblatt

Von Günther Wiedemann

Konzert 2 | 26.11.2017

Geiger Tobias Feldmann und Pianist Boris Kusnezow lassen höchste Spielkultur hören

Paderborn (WV). Nach seinem außerordentlichen Erfolg mit Mendelssohns Violinkonzert im vergangenen Jahr stand auf Einladung der Philharmonischen Gesellschaft Paderborn der Geiger Tobias Feldmann, zusammen mit dem Pianisten Boris Kusnezow, erneut im Mittelpunkt eines Konzerts in der Kaiserpfalz.

Das Duo Polychrome - mit zahlreichen in- und ausländischen Preisen ausgezeichnet - eröffnete den Reigen vielfältiger und vielfarbiger Kompositionen mit der Sonate in F-Dur KV 377 von Mozart. Die beiden Interpreten erwiesen sich vom »Allegro« bis hin zum »Tempo di Menuetto« als eintraumhaft eingespieltes Duo, dessen hohe Spielkultur die Zuhörer sofort in ihren Bann zog. Ihr gemeinsames Musizieren war eher auf die sämtweiche Tonbildung als auf die virtuosen Figuren hin ausgerichtet, so dass sich immer wieder ein im Detail subtiles und klanglich variables Musizieren ergab. Hier nutzte Boris Kusnezow am Klavier die Chance, mit differenzierter Artikulation den Fluss der Melodie aus der rhythmischen Innenspannung zu entwickeln.

Philharmonische Gesellschaft erlebt vielfältige Kompositionen von Mozart bis Prokofjew.

Bei der »Sonate für Violine und Klavier Nr. 2« von Sergej Prokofjew war es die phantasievolle und instrumentengerechte Verarbeitung des thematischen Materials, die Boris Kusnezow und Tobias Feldmann durch die gliedernde Intensität ihres Spiels zu Steigerungen voller Spannung und Gegensätzlichkeit führten. Zugleich erwiesen sie sich als einfühlsame Partner, die mitzugehen und sich anzupassen verstanden.

Nach der Pause stellte die Sonate für Violine und Klavier »Posthume« von Maurice Ravel die beiden Interpreten Vor die Aufgabe, die harmonisch kühne Klangsprache des Komponisten, die dencharakteristischen Ausdruck jedes Instruments spezifisch entfaltet, miteinander zu verbinden. Eine Vorgabe, die dem uneitlem Spiel beider sehr entgegenkam: Tobias Feldmann bestach, besonders im Blues, durch ursprüngliche Musikalität und Boris Kuznezow als feinfühliger Pianist.

Mit intelligentem Charme und bestechender Technik führten sie in der abschließenden »Sonate für Violine und Klavier« von Richard Strauss vor, was Musizieren in dieser Komposition mit ihrem technisch sehr schweren Violinpart bedeutet: Dialog. Von Anfang an musizierten sie »ihren« Strauss straff und konzentriert und verbanden schon im »Allegro, ma non troppo« höchste Sensibilität mit virtuoser Bravour. Das kolorierte »Andante cantabile« war im Zusammenklang so dicht und intensiv, dass man sich die Wiedergabe kaum noch schöner gespielt vorstellen kann. Im »Finale« stellte sich ein tonschönes und technisch souveränes Zusammenspiel ein, eine nicht oft zu hörende Verbindung von mitreißendem Schwung, rauschender Virtuosität und gleichzeitiger kammermusikalischer Durchsichtigkeit.

Als Solist spielt Tobias Feldmann zusammen mit der Nordwestdeutschen Philharmonie im Sinfoniekonzert das Violinkonzert Nr. 3 h—Moll von Camille Saint-Saens (13. Dezember, 20 Uhr, Paderhalle).

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