Tangoabend zum Saisonfinale - Philharmonische Gesellschaft Paderborn e.V.

Tangoabend zum Saisonfinale

Westfälisches Volksblatt

Von Juliane Fröhling

Konzert 6 | 02.06.2019

Konzert der Philharmonischen Gesellschaft Paderborn: Bandoneón-Solist Lothar Hensel fasziniert

Paderborn (WV). Da hatte die Philharmonische Gesellschaft Paderborn ein glückliches Händchen – wie so oft: Passend zum ersten warmen Sommertag des Jahres lud die Gesellschaft zum Tangoabend und gestaltete so mit Lothar Hensel ein fulminantes Saisonfinale in der Kaiserpfalz.

Es ist ein Konzert, was fast ausschließlich vom Solisten gestaltet wird – als Begleitung fungiert das Orchester der Philharmonischen Gesellschaft unter der Leitung von Thomas Berning. Lothar Hensel ist ein sympathischer Typ, ganz bescheiden und voll in seinem Element, der Musik.

In einer kurzweiligen Moderation führt er das Publikum in die Welt des Tangos und des Bandoneóns ein. Die feinen Unterschiede zum Akkordeon oder die Entwicklung des erotisch angehauchten Tanzes von der Musik der hoffnungslosen Unterschicht zur Vorliebe der argentinisch-parisischen Oberschicht werden hier erläutert.

Doch zur Musik: Der gebürtige Niederrheiner versteht es, die unterschiedlichsten Klangfarben aus seinem Instrument hervorzulocken. Mal drückt er die Tasten in atemberaubender Geschwindigkeit, mal bringt er pure Leidenschaft zu Gehör.
Obwohl die musizierten Werke fast alle vom gleichen Komponisten, dem Tango-Guru Astor Piazzolla, stammen, werden immer wieder verschiedene Atmosphären erzeugt. Diese reichen bei dem Zyklus »Un Argentino en Paris« vom typischen Pariser Flair an der Seine über eine dramatische Hommage an die französische Großstadt bis hin zu einer Abschiedsmelancholie, kombiniert mit versteckter Lebensfreude.

Lothar Hensel und das Orchester der Philharmonischen Gesellschaft harmonieren dabei so, als würden sie schon lange zusammenspielen. Es herrscht eine gut aufeinander abgestimmte Ausgewogenheit zwischen Solo- und Tuttistellen. Die Streicher, die neben Klavier und Harfe die einzige Besetzung des Abends sind, schwelgen gerne mal mit ihrem typischen Streichersound.

Gleichzeitig sind sie hochkonzentriert und meistern auch rhythmisch komplizierte Verschiebungen souverän.

Einige Geigensoli sowie ein hochgefühlvolles Bratschensolo unterstreichen die hohe Qualität der Musiker. Dies liegt auch an der verlässlichen Anleitung von Thomas Berning. Er nimmt die Stimmung der Musik in sein Dirigat auf und gibt die Einsätze äußerst präzise, sodass vor allem die Enden der jeweiligen Stücke genau auf den Punkt erklingen.

Der Gesamteindruck setzt sich auch im zweiten Teil des Konzerts fort, als die Komposition der vier Jahreszeiten der Einwohner von Buenos Aires zu hören ist.

Ebenfalls aus der Feder Piazzollas ist sie an die berühmten Jahreszeiten von Vivaldi angelehnt – lautmalerisch und programmatisch sind die Wechsel des Jahres vertont. Bandoneón-Spieler Lothar Hensel stellt auch hier seine individuelle Klasse unter Beweis und transportiert in weiteren musikalischen Intermezzi die besondere Stimmung des Tangos. Es fehlt eigentlich nur noch ein Glas Wein.

Das Publikum ist zurecht begeistert, auch wenn man sich am Ende des Konzertes – dem Winter – ein wenig mehr Spannung vor dem Applaus gewünscht hätte. Lothar Hensel steckt auch in seinen Zugaben, unter anderem Filmmusik zu »Heinrich IV«, die Zuhörer mit seiner Begeisterung an.

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