Spritziges-Hörvergnügen - Philharmonische Gesellschaft Paderborn e.V.

Spritziges-Hörvergnügen

Neue Westfälische

Von Gunther Gensch

Konzert 1 | 03.10.2017

Festkonzert zum Tag der Deutschen Einheit: Die Philharmonische Gesellschaft eröffnet die neue Konzertsaison. Klaviersolist Alfredo Perl bannt die Zuhörer und bekommt dafür viel Applaus

Paderborn. In festlicher Tradition bot die Paderborner Philharmonische Gesellschaft ihr erstes sinfonisches Konzert zum Tag der Deutschen Einheit in der vollbesetzten Paderhalle. Unter der Leitung von Domkapellmeister Thomas Berning musizierte das Orchester der Gesellschaft mit kraftvollem profe-sionellem Duktus, Solist des Abends war Alfredo Perl, renommierter Pianist und engagierter Hochschullehrer aus Detmold. In feierlicher Stimmung erhoben sich die Besucher von ihren Plätzen, „Einigkeit und Recht und Freiheit“ in Musik und Gesang erfüllte das große Haus.

Frédéric Chopin (1810-1849) schuf mit 20 Jahren das Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1, e-Moll op.11, ein ausgreifendes Werk mit hohen Anforderungen an pianistische Fertigkeiten. Am Anfang stellen die Streicher gleich drei Themen vor, in fein abgestufter Lautstärke entwickelt Thomas Berning das Melodiengefüge, doch Poesie und Schwärmerei enden abrupt in der Dominanz des vordergründig platzierten Konzertflügels.

Energiegeladen geht Alfredo Perl ans virtuose Werk, mit mächtigen Akkorden und kapriziösen Läufen bannt er die Zuhörer, das Orchester wirkt im Hintergrund. Intuitives Geschick und handwerkliche Meisterschaft bestimmen die weiteren Solopassagen, ausgefeilte Variationen und Verzierungen im Allegro maestoso verleihen seinem Spiel Erhabenheit und Würde.

Dirigent und Solist zeigen den jugendlichen Chopin als erfolgreichen Klavierspieler und begabten Tonsetzer für Orchestermusik, der gefühlvolle Mittelsatz erscheint als Romanze in kontrastiv langsamem Tempo, das Sordino der Geigen verströmt Ruhe und Intimität. Hauchzarter Anschlag und gezähmte orchestrale Klänge verschmelzen und verklingen in besinnlicher Klaviersequenz.

Mit Verve und mitreißendem Tempo befeuert Thomas Berning sein Orchester

Mazurka und Krakowiak inspirieren Orchester und Pianisten zu überzeugenden Leistungen im dritten Satz, Rondo vivace. Solist und Dirigent tauschen freudige Blicke, in perfektem Zusammenspiel endet das spektakuläre Klavierkonzert mit Bravo und Applaus. Alfredo Perl verabschiedet sich mit einer Variatio aus den Goldberg-Variationen von Johann Sebastian Bach.

Ein heiteres sinfonisches Werk stammt aus der Feder von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847), seine kompositorischen Skizzen einer Italienreise fließen in die Sinfonie Nr. 4, A-Dur op. 90, die „Italienische“. Von leichtem südländischem Charakter sind alle vier Sätze geprägt, mit Verve und mitreißendem Tempo befeuert Thomas Berning sein Orchester, das sich in mozartischer Besetzung präsentiert.

Hörner und Holzbläser starten und repetieren, das spritzige Hauptthema zieht sich durch das gesamte Allegro vivace und stimuliert die Besucher. Doch im Andante con moto legen sich Ernst und Nachdenklichkeit aufs Gemüt, dunkle Moll-Töne weisen auf ein Ende irdischer Freuden. Mit opulentem Hörnerklang und graziös gespielten Dialogen der Flöten und Streicher „klart der Himmel wieder auf“, das Orchester der Philharmonischen Gesellschaft verdeutlicht eindrucksvoll Mendelssohns unkonventionellen Kompositionsstil.

Prestissimo in Kürze voller Würze gestaltet Berning den vierten Satz, eine nachhaltige Spritze Vitalität für den Heimweg und lebhafter Beifall aus dem Auditorium beschließen den Abend.

Zurück