Spaß ganz im Sinne Mozarts - Philharmonische Gesellschaft Paderborn e.V.

Spaß ganz im Sinne Mozarts

Neue Westfälische

Von Hermann Knaup

Konzert 4 | 19.03.2017

Philharmonie Paderborn beweist im vierten Saisonkonzert Humor

Paderborn(WV). Eigentlich ist die Kaiserpfalz der Aufführungsort der Philharmonischen Gesellschaft. Wegen der dort fälligen Reparaturarbeiten fand das vierte Saisonkonzert in der Pfarrkirche St. Kilian statt.

Damit hatte man offensichtlich eine gute Wahl getroffen. Der Vorsitzende Dr. Dietrich Nöcker bedankte sich in seiner kurzen Begrüßung entsprechend bei der Pfarrgemeinde. Auf dem Programm stand eine außergewöhnliche Zusammenstellung bemerkenswerter Serenadenmusiken.

Zu Beginn spielte das Orchester mit spürbarem Enthusiasmus Mozarts "Serenata notturna" in D-Dur. Bereits die instrumentale Besetzung ist ungewöhnlich: Das Streichorchester mit Pauke wird durch ein solistisch agierendes Streichquartett (statt Violoncello ein Kontrabass) ganz im Sinne der barocken Concerto-grosso-Tradition ergänzt. Dirigent Thomas Berning leitete das Orchester vom Cembalo aus, durchweg im Sinne der Aufführungspraxis der Zeit Mozarts.

Humor bewies das Orchester im dritten Satz (Rondeau) mit zusätzlichen kurzen musikalischen Zitat-Einwürfen: das Thema der großen g-Moll-Sinfonie, die Figaro-Kavatine "Se vuol ballare, Signor Contino", das Don-Giovanni- Duett "La ci darem la mano", das Kopf-Motiv der Fünften Beethoven-Sinfonie, aus dem sich das Thema von "Eine kleine Nachtmusik" entwickelte, und nicht zuletzt das "Rondo alla turca"-Motiv. Dieser musikalische Spaß dürfte durchaus im Sinne Mozarts gewesen sein.

Konzertmeister Michael Wild war anschließend der souveräne Solist im vierten Violinkonzert in G-Dur von Joseph Haydn, das er obendrein selbst dirigierte. Beeindrucken konnte Wild mit sensibler musikalischer Gestaltung des selten gespielten Violinkonzertes, aber auch mit seinen anspruchsvollen Solo-Kadenzen. Für seine gelungene Darbietung erhielt der Konzertmeister dankbaren Applaus. Als Zugabe spielte er das virtuose "Polnische Capriccio" von Gra?yna Bacewicz (1949).

1880 wurde Tschaikowskis spätromantische "Serenade für Streicher" in C-Dur uraufgeführt. Sehr bekannt aus dieser Serenade ist der Walzer, den Tschaikowski anstelle eines üblichen Menuetts geschrieben hat. Der Komponist selbst mochte dieses Werk sehr. An das Orchester stellt es sehr hohe technische Ansprüche, die von den Musikern unter dem stringenten Dirigat von Berning mitreißend gemeistert wurden.

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