Schwierige Teile souverän gemeistert - Philharmonische Gesellschaft Paderborn e.V.

Schwierige Teile souverän gemeistert

Westfälisches Volksblatt

Von Hermann Knaup

Konzert 1 | 03.10.2019

Orchester der Philharmonischen Gesellschaft gratuliert zur Deutschen Einheit

Paderborn (WV). Es ist längst Tradition, dass das Orchester der Philharmonischen Gesellschaft Paderborn unter der bewährten Leitung von Thomas Berning das Festkonzert zum Tag der Deutschen Einheit in der Paderhalle gestaltet.

Auf dem Programm am Donnerstag standen Werke von Ludwig van Beethoven und Robert Schumann. Nach der vom Publikum mitgesungenen Nationalhymne spielte das Orchester die Konzertouvertüre »Coriolan« (1807), ein dramatisches, sinfonisch konzipiertes Werk, welches Beethoven zu Heinrich von Collins gleichnamigem Theaterstück schrieb. Den Musikern gelang es eindrucksvoll, den enormen Spannungsbogen bis zu den verhalten ausklingenden Schlusstakten stringent zu gestalten. Im folgenden d-Moll-Konzert für Violine und Orchester (1853) von Robert Schumann übernahm die in München geborene Lena Neudauer den schwierigen Solopart.

Erfreulich, dass Thomas Berning dieses Werk ins Programm aufgenommen hat, wird es doch selten aufgeführt. Das mag einerseits an seiner schwierigen Rezeptionsgeschichte liegen, zumal es 1937 ausgerechnet im Rahmen einer NS-Veranstaltung seine erste Gesamtaufführung erlebt hat und obendrein aus Propagandazwecken anstelle des Mendelssohn-Konzertes ins Programm aufgenommen wurde. Andererseits hat es den Ruf, schwer zugänglich zu sein, da Schumann auf jede vordergründige Virtuosen-Brillanz verzichtet. Setzt man sich aber eingehender mit diesem Werk auseinander, erschließt sich die anspruchsvolle Genialität dieser Musik.

Lena Neudauer überzeugte mit einem sensiblen und zugleich klar strukturierten Vortrag. Das Orchester erwies sich erneut als kongenialer Partner, indem es Schumanns abgestufte Dynamik gekonnt umsetzte. Dadurch wurde der Solopart nicht von einem allzu massiven Orchesterklang übertönt. Als Zugabe spielte Lena Neudauer das »Tempo di Borea« aus Bachs h-Moll-Partita und erhielt dafür langanhaltenden Beifall. Nach eher dramatischer und nachdenklicher Musik endete der Konzertabend mit Beethovens 8. Sinfonie (1814), einem überaus heiteren und humorvollen Werk.

Thomas Berning gab, wie schon in der Coriolan-Ouvertüre, ein zügiges Tempo vor, was durchaus im Sinne Beethovens sein dürfte, hat dieser doch nach Einführung des Metronoms seine Werke mit zumeist beachtlich zügigen Tempi versehen. Die 8. Sinfonie wirkt wie ein kompositorischer Rückblick auf das bisherige sinfonische Schaffen der damaligen Zeit in der Tradition Joseph Haydns, bevor Beethoven den gewaltigen Schritt zu seiner 9. Sinfonie wagte. Das Orchester schaffte es, Beethovens musikalischen Humor mit Begeisterung umzusetzen. Schön, wenn hinter großflächigen Notenpulten auch mal lächelnde Gesichter erkennbar sind, denen man die Freude am Musizieren ansehen kann. Für diesen gelungenen Einstieg in die neue Konzertsaison gab es dankbaren Applaus.

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