Momente großer musikalischer Schönheit - Philharmonische Gesellschaft Paderborn e.V.

Momente großer musikalischer Schönheit

Neue Westfälische

Von Ulla Meyer

Konzert 3 | 28.01.2018

Philharmonlsche Gesellschaft: Die Jungen Sinfoniker OWL führen unter Leitung von Dirigent György Mészäros einen klassischen Themenabend auf. Auch wenn dem Nachwuchs nicht alles gelingt, wird er mit reichlich Applaus belohnt

Paderbom. Sie sind alle jung, engagiert und fleißig, manch einer aufdem Weg zum Berufsmusiker. Die lungen Sinfoniker aus OWL spielen eigentlich immer vor vollem Haus und das seit 1973. So auch am Sonntagabend in der Paderhalle, als die Philharmonische Gesellschaft zum dritten Konzert einlud: Ein klassischer Themenabend mit zwei sinfonischen Dichtungen und Richard Wagners berühmten Wesendonck-Liedern mit Orchesterbegleitung.

Unter dem Dirigat des Ungarn György Mészéros erklang zunächst die sinfonische Märchenoper aus Böhmens Hain und Flur: „Das goldene Spinnrad“ von Antonin Dvoiäk mit volksmusikalisch aufblühenden Melodien. Dabei verhandelt diese Geschichte ja den puren Horror: mit einer bösen Stiefmutter, die ihre Tochter dem verliebten König unterjubeln will und zunächst der armen, eigentlich zur Heirat erwählten Domickaim Wald die Hände und die Füße abhackt... Dafür wird die Missetäterin dann von den Wölfen gefressen. Aber was hört man: das surrende goldene Spinnrad und überhaupt nach einigen dramatischen Momenten eine Glücksmusik. Die Geschichte erschließt sich beim Hören natürlich nur, wenn man sie kennt. Niemand muss sich genieren, wenn sich bei ihm andere Assoziationen einstellen oder gar keine.

Warum man diese Programmmusik so selten in Konzertsälen zu hören bekommt, ist jedoch klar: Der große Bogen, das stririgente Zusammenbinden der musikalisch mal kontrastierenden, mal variierenden Abschnitte, ist in diesen farbigen Orchesterstücken nicht leicht herzustellen. Die unglaublich konzentriert aufspielenden Jugendlichen schufen Momente großer musikalischer Schönheit, dann wieder jedoch versandeten einzelne Instrumentengruppen im komplexen Gewirr der Stimmen. Die größtenteils sehr gedehnten Tempi verdeutlichen zwar zunächst einzelne Motive, erschwerten jedoch oft die musikalische Kommunikation.

Hochprofessionell gelang dann aber die komplexe Begleitmusik zu Richard Wagners „Wesendonck-Liedern“, gesungen von der jungen Sopranistin Anna-Sophie Brosig, die vor kurzem noch mit Sandra Urba am Klavier in der Kaiserpfalz überzeugte. Diese „Fünf Gedichte für eine Frauenstimrne“ nehmen in ihren harmonischen Mehrdeutigkeiten den „Tristan“ vorweg, doch eben in der komprimierten Liedform mit einer Begleitung, die die Möglichkeiten des Klaviers nicht übersteigt. Ähnlich dezent fiel die Orchesterbegleitung aus, unaufgeregt stützend und leicht kontrastierend, doch immer im Dienst der Stimme. Und Anna-Sophie Brosig kann auch Wagner, mit verblüffender Textverständlichkeit und einer Stimmfärbung, die die schwer zu fassenden Stimmungen der einzelnen Lieder sehr gut traf. Manchmal wird die Stimme geführt wie ein Instrument, das nur eine Nebenstimme zu spielen hat. Besonders bei „Im Treibhaus“ ließ Brosig eine Tristan-Trauer erklingen, die vollkommen überzeugte.

Nach der Pause dann Mahler-Zwo, wenn auch nur der erste Satz, den man in OWL noch ganz gut im Ohr hat. Ein Werk, das die Grenzen so mancher Profiorchester sprengt, nun von jugendlichen Laien und angehenden Profis zwischen 14 bis 22 Jahren in einer etwas basischen Fassung dargeboten. Eine Nummer kleiner wäre da sicher noch etwas besser gewesen, doch jeder gab alles und vieles gelang auch. Die Zuschauer honorierten diesen Arbeitssieg mit großem Applaus und wurden mit einem Walzer belohnt.

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