Junge Talente brillieren in der Paderhalle - Philharmonische Gesellschaft Paderborn e.V.

Junge Talente brillieren in der Paderhalle

Neue Westfälische

Von Ulla Meyer

Konzert 4 | 09.02.2020

Nach der Sturmwarnung für Ostwestfalen bleiben viele Plätze leer. Dirigent Györgi Meszaros leistet ganze Arbeit.

Paderborn. Sturmwarnung in ganz OWL. Da kann man gut verstehen, dass in der Paderhalle am Sonntagabend viele Plätze leer blieben, denn Freunde und Angehörige der „Jungen Sinfoniker“ OWL haben oft weite Wege. In diesem Orchester musizieren die „Jugend musiziert“ Preisträger der Region, die sich nur zwei Mal im Jahr für eine Woche intensiver Probenarbeit treffen und mit erfahrenen Dirigenten anspruchsvolle Werke erarbeiten.

Aktuell werden die jungen Talente vom ungarischen Dirigenten György Meszaros trainiert und brillierten auf Einladung der Philharmonischen Gesellschaft mit einem extrem anspruchsvollem Programm. Es begann mit Peter Tschaikowskys Violinkonzert in D-Dur aus dem Jahr 1878, an dem sich bis heute die Geister scheiden. Einst von führenden Virtuosen als unspielbar abgelehnt, vom damaligen Reich Ranicki der Musikkritik, Eduard Hanslick, als „Musik, die man stinken hört“ verrissen und heute heiß geliebt.

Es gibt sogar Leute, denen das Werk als zu kitschig erscheint. Man kann sich aber darauf einigen, dass das Konzert enorm schwer ist, es gibt nämlich nicht die einzig schwere Stelle, an der der Geiger gemessen wird. Hier reihen sich die technisch anspruchsvollen Episoden aneinander wie die Perlen einer Perlenkette: Technisch schwierige Läufe, Doppelgriffe und das Spiel in extrem hoher Lage.

Sehr schön äußert sich der Stargeiger Christian Tetzlaff. „Ein Kraftakt, bei dem man sicher auch einige Kilos abnimmt... zumal nach einem Tschaikowsky-Konzert man dann ja unbedingt hinterher auch seine drei, vier Bier trinken muss, um wieder auf die Erde zurückzukommen und dann hat man das längst wieder drin“. Ziemlich wahrscheinlich wird die junge Geigerin Gina Keiko Friesecke (Jahrgang 2002) nach dem Konzert kein Bier trinken, um sich zu erden. Was die Zuhörer hier erlebten, war pure Leichtigkeit, ein interpretatorisches Konzept und echte Souveränität, und dieses Ausnahmetalent ist noch keine 18. Große Momente auch im Zusammenspiel mit dem Orchester, das erst im zweiten Teil des Abends zu großer Brillanz auflief und im Tschaikowsky mehr als Stichwortgeber diente.

Wunderbar, wie die Holzbläser, allen voran die Flöte, nach der Kadenz wieder das Thema übernehmen, wie im dritten Rondosatz ein absolut mutiges Tempo und die rhythmische Spannung gehalten wurde. Und Gina Keiko Friesecke zeigt nicht nur enorme Technik, sondern schafft im zweiten Satz „Canzonetta“, mit Dämpfer gespielt, auch große Momente der Innerlichkeit, einen langsamen Walzer, der schlicht die Herzen berührt. Und ohne jede Spur von Erschöpfung legt sie noch als Zugabe ein Presto aus Bachs Partiten vor, die an die ganz großen ihrer Zunft erinnert.

Im Gegensatz zu Tschaikowskys umstrittenen Konzert erreichte die zweite Sinfonie von Jean Sibelius ihre Zeitgenossen auf Anhieb. Dieses Werk hat unglaublich moderne Momente, wie die Pizzicato-Ketten im zweiten Satz, wo die Bässe beginnen, die Cello folgen und alles ein wenig nach jazzigem Vorläufer klingt, was super gelang.

Oder der motorisch überbordende dritte Satz, in dem sich Vivacissimo und Lento abwechseln, wo die Streicher alles aufbieten und gut durchhalten. Und immer wieder gute Momente im Blech, besonders bei den Hörnern, die sich im Tschaikowsky noch etwas schwer taten.

Bedenkt man, dass diese geschlossene Spitzenleistung nach so kurzer Probenzeit erreicht wurde, merkt man noch besser, dass Dirigent Györgi Meszaros hier ganze Arbeit geleistet hat. Für Bravorufe und tosenden Applaus bedankte sich das junge Orchester mit einem luftig, leichten Werk aus dem Repertoire der Neujahrskonzerte.

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