Höchstleistung zur Saisoneröffnung - Philharmonische Gesellschaft Paderborn e.V.

Höchstleistung zur Saisoneröffnung

Westfälisches Volksblatt

Von Hermann Knaup

Konzert 1 | 03.10.2021

Mozartabend der Philharmonischen Gesellschaft Paderborn in der Kaiserpfalz

Paderborn (WV) Es ist seit Jahren bewährte Tradition, dass die Philharmonische Gesellschaft Paderborn unter der Leitung ihres Dirigenten Thomas Berning mit einem Festkonzert zum „Tag der Deutschen Einheit“ zugleich die eigene Konzertsaison eröffnet. Erwartungsgemäß war die Kaiserpfalz gut besetzt.

Mit einem zwölfköpfigen Streicherensemble des Orchesters der Philharmonischen Gesellschaft sowie mit dem renommierten Konzertpianisten Alexander Schimpf (*1981) hatte Thomas Berning ein Programm mit Werken von Wolfgang Amadeus Mozart einstudiert.

Eröffnet wurde das Konzert mit dem Divertimento in F-Dur KV 138 aus dem Jahre 1772, das der Komponist mit gerade mal 16 Jahren schrieb. Dieses Werk gehört zu jenen beliebten drei „Quartett-Divertimenti“ KV 136-138, die gelegentlich auch als „Salzburger Sinfonien“ bezeichnet werden.

Die frohgelaunte Melodik, tänzerische Elemente, abrupte Dynamikwechsel verleihen dem F-Dur-Divertimento einen italienisch wirkenden Charakter, der sich aus einer vorhergehenden Italienreise Mozarts plausibel erklären lässt. Den Musikern gelang es überzeugend, die unbeschwerte Stimmung dieser anspruchsvollen Musik bestmöglich umzusetzen. Den Andante-Satz gestaltete das Streichorchester mit großem Einfühlungsvermögen. Die enorm hohen Anforderungen im vielschichtigen Rondo (Presto) meisterten die Instrumentalisten mit Bravour und Spielfreude, zumal Mozart, der neben dem Klavier auch hervorragend Geige spielte, in diesem Rondo für die Streicher eine Fülle spieltechnischer Raffinessen vorgesehen hatte.


Alexander Schimpf

Eine weitere Höchstleistung dieses Konzertabends bot Alexander Schimpf, der Klaviersolist des Abends. Es ist schon außergewöhnlich, dass ein Solist in einem Konzert gleich zwei Klavierkonzerte aufführt. Das dürfte von ihm ein Höchstmaß an Konzentration erfordern, bietet den Hörern aber auch seltene Vergleichsmöglichkeiten. Die Konzerte Nr. 12 in A-Dur KV 414 und Nr. 13 in C-Dur KV 415 aus dem Jahr 1782 gehören zu den häufig aufgeführten Werken Mozarts. Sie haben, wie auch das Divertimento, eine positive Grundstimmung und sind von mitreißender Brillanz. Man sollte sich stets bewusst sein, dass ein Genius wie Mozart diese Werke selbst aufgeführt hat. Notenmäßig liegen bei beiden Kompositionen jeweils zwei Fassungen vor: je eine mit Streicherbegleitung sowie eine erweiterte Fassung mit optionalen Bläserergänzungen. Die Akteure des Abends hatten sich für die Fassungen mit Streicherbesetzung entschieden, weil darin die wichtige Bedeutung des Klavierparts besser zur Geltung kommt. Das Orchester erwies sich in dieser Aufgabe als ebenbürtiger Partner des Solisten. Das Wechselspiel zwischen beiden konnte kaum besser austariert sein. Anschlüsse, Übergänge, Lautstärkeanpassungen verliefen perfekt. Erfreulich auch, dass Thomas Berning durch gezielte Dynamik-differenzierungen zahlreiche Nuancen und Details sorgfältig herauskristallisierte und somit Mozarts geistreiche Themen- und Motivverläufe erkennbar werden ließ. Die versierten Ensemblemitglieder konnten diese musikalischen Intentionen optimal realisieren.

Mozart hatte in seinen Partituren auch für jeden Satz der beiden Klavierkonzerte Möglichkeiten zu Solokadenzen vorgesehen. Obendrein hatte er selbst verschiedene solcher Kadenzen verfasst. Alexander Schimpf griff seinerseits die damals übliche Tradition auf, eigene Kadenzen zu spielen, und zeigte sich in jedem Satz der beiden Konzerte als kongenialer Kenner der Musik Mozarts. In seinem virtuos-souveränen Spiel wurde erneut deutlich, dass Mozarts vermeintliche „Leichtigkeit“ eher den Charakter seiner genialen Musik beschreibt, keinesfalls die zumeist schwierige spieltechnische Umsetzung. Die Zuhörergemeinde der Philharmonischen Gesellschaft dankte mit lang anhaltendem Beifall dem sympathischen Pianisten sowie den Orchestermusikern mit ihrem Dirigenten Thomas Berning für den gelungenen Start in die Konzertsaison.

Als Zugabe spielte Alexander Schimpf mit höchster Musikalität das Andante aus Mozarts Klaviersonate Nr. 16, der „Sonata facile“. Offensichtlich kam diese Zugabe vielen aufhorchenden Zuhörern aus der Zeit des eigenen Klavierunterrichts bestens bekannt vor.

aus: Westfälisches Volksblatt PB, 5. Oktober 2021, Text: Hermann Knaup

 

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