Glänzendes Saisonfinale - Philharmonische Gesellschaft Paderborn e.V.

Glänzendes Saisonfinale

Westfälisches Volksblatt

Von Andrea Auffenberg

Konzert 6 | 10.06.2018

Berning führt Philharmonisches Orchester zu Höchstleistungen

Paderborn (WV). Beim letzten Saisonkonzert der Philharmonischen Gesellschaft Paderborn wurden wieder einmal alle musikalischen Register gezogen. Mit der Programmgestaltung rund um Beethoven und vor allem der Wahl von Alexander Schimpf als Klaviersolist hatte man gutes Feingespür gezeigt – womit wieder einmal bewiesen wäre, dass man nicht immer in die größten Städte fahren muss, um spannende Konzerte zu erleben. Oft spielt sich das eigentlich Aufregende auch in der vermeintlichen »Provinz« ab.

So auch am Sonntag in der Paderborner Kaiserpfalz. Bevor die Musik Beethovens den Raum einnahm, hörte man mit der Ouvertüre zur Schauspielmusik »Olympie« das Werk des recht unbekannten, deutsch-schwedischen Komponisten Joseph Martin Kraus (1756-1792), auch der »Odenwälder Mozart« genannt. Düstere, laute Klänge wechselten sich ab mit schnellen, punktierten Rhythmen, immer darin eingebettet ein wehmütiges Seufzer-Motiv.

Das Orchester der Philharmonischen Gesellschaft agierte unter dem Dirigat von Thomas Berning voluminös und kraftvoll, setzte feinste Nuancen vor einem samtig-schwungvollen Hintergrund.

Es folgte das dreisätzige »Konzert für Klavier und Orchester Nr. 3 c-Moll« von Ludwig van Beethoven. Die zahlreichen Parallelführungen der Soloinstrumente in Oktaven und die reizvollen Wechsel mit den Holzbläsern vor dem Hintergrund zarter Violinklänge kamen im »Allegro con brio« wie im »Largo« exzellent zur Geltung.

Der dritte Satz, ein virtuoses »Rondo«, wurde durchweg zum perlenden Vergnügen. All das aber konnte nur gelingen, weil Thomas Berning stets liebevoll-emphatisch sein Orchester durch die Partitur führte und so einen perfekten Klangteppich voller inniger Intonation und nahtloser Kontinuität entwickelte. Ein Genuss war dabei natürlich die virtuose Interpretation des 1981 in Göttingen geborenen Pianisten Alexander Schimpf. Er spielte die drei Sätze in Rhythmus, Artikulation und Pedalgebung derart eigen, dass man ihm schon einen Individual-Stil zusprechen kann. Faszinierend die technische Perfektion, aber ebenso die geistige Durchdringung der gespielten Werke. Sein völlig unverkrampftes Spiel war durchtränkt von Intensität, Spielfreude und emphatischen Vorwärtsdrängen, welches das Auditorium durchweg begeisterte.

Nach der Pause wurde der Abend durch Beethovens wunderschöne und klanglich vielfältige »Symphonie Nr. 4 B-Dur« abgerundet. Die Instrumentalklänge verschmolzen versiert zu einem überzeugenden Gesamtklang und schufen gemeinsam wunderbare Klangfarben. Solch abwechslungsreiche und zugleich in sich stimmige Konzertprogramme darf es gern häufiger geben!

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