Gina Keiko Friesicke als Solistin gefeiert - Philharmonische Gesellschaft Paderborn e.V.

Gina Keiko Friesicke als Solistin gefeiert

Westfalen-Blatt

Von Hermann Knaup

Konzert 4 | 09.02.2020

Junge Sinfoniker OWL brillieren in der Paderhalle

Paderborn (WV). Für das großartige Paderhallen-Konzert am Sonntag konnte die Philharmonische Gesellschaft Paderborn erneut die Jungen Sinfoniker OWL gewinnen. Unter der sicheren Leitung von György Mészáros boten die etwa 80 talentierten, jungen Orchestermusiker mit dem Violinkonzert von Peter Tschaikowsky und der zweiten Sinfonie von Jan Sibelius ein Musikerlebnis der Extraklasse.

Eigentlich war die Paderhalle vorab ausverkauft, dennoch gab es, wohl wegen des Sturmtiefs „Sabine“, einige leere Plätze. Mit dem beliebten Violinkonzert in D-Dur (1881) von Peter Tschaikowsky eröffneten die Musiker den Konzertabend. Den Solopart übernahm die junge Solistin Gina Keiko Friesicke. Bedenkt man, dass dieses Konzert vor der Uraufführung einst als „technisch unspielbar“reklamiert wurde, dann präsentierte sich die aus Detmold kommende Geigerin als beachtliche Ausnahmekünstlerin. Den schwierigen und teilweise extrem virtuosen Solopart meisterte die Künstlerin makellos und sicher. Souverän beherrschte sie die spieltechnische Gesamtpalette ihres Instruments, angefangen vom Flageolett über Doppelgriffe bis zu schnellsten Tonskalen. Selbstsicher parierte sie motivische Dialoge mit dem Orchester.

Beeindruckend wirkte insbesondere die tiefgründige Musikalität ihrer Interpretation. Das Publikum dankte mit stürmischem Beifall. Als Zugabe spielte Gina Keiko Friesicke das Presto aus Johann Sebastian Bachs erster Sonate für Violine. Nach der Pause stand die 2. Sinfonie (1902), ebenfalls in D-Dur, von Jan Sibelius auf dem Programm. In diesem Werk wird das Orchester selbst zum Virtuosen.
Schwierige Läufe in den Streichern, heikle Einsätze, liedhafte Momente, wiederkehrende Motive, klangliche Stimmungswechsel bis zu höchster Dramatik sowie markante Bläserklänge prägen dieses Werk. Sibelius zeigt sich bereits in dieser Komposition als vollendeter Meister des Orchesterklanges. Formal steht er noch in der romantischen Tradition sinfonischen Komponierens, klanglich aber überschreitet er phasenweise die Konventionen der Romantik bis zu annähernd expressiver Harmonik. Dieses Werk fordert vom Orchester eine enorm anspruchsvolle Leistung, die schnell die Grenzen des Spielbaren tangieren kann. Beachtlich ist daher, dass die Jungen Sinfoniker in einer nur kurzen Probenzeit dieses Projekt bravourös bewältigt haben.


Nils Gronemeyer, Vorsitzender der Philharmonischen Gesellschaft, überreicht dem Dirigenten György Mészáros einen Blumenstrauß.

Überhaupt ist es mehr als höchst erfreulich, dass gerade junge und talentierte Musiker bedeutende Meisterwerke derart engagiert aufführen. Eben diesen jugendlichen Elan und Enthusiasmus wie auch die künstlerische Leistung wussten die Zuhörer sehr zu schätzen. Nach langanhaltendem Applaus beendeten Orchester und Dirigent mit einer mitreißenden Darbietung des Walzers aus Peter Tschaikowskys Ballettmusik „Dornröschen“ als Zugabe einen überzeugenden Konzertabend.

Zurück