Gelungener Auftakt in die Klassiksaison - Philharmonische Gesellschaft Paderborn e.V.

Gelungener Auftakt in die Klassiksaison

Neue Westfälische

Von Ulla Meyer

Konzert 1 | 03.10.2017

Paderhalle: Beim Konzert der Philharmonischen Gesellschaft zum Tag der Deutschen Einheit warnt der kurzfristig eingesprungene Cellist Arne-Christian Pelz vor den Gegnern der Freiheit und Demokratie

Paderborn. Saisonbeginn in der grunderneuerten Paderhalle mit neuen Sitzen, neuem Geruch und (gefühlt?) leicht verändertem Klang. Traditionsgemäß eröffnete die Philharmonische Gesellschaft die Konzertsaison nicht nur mit bewährten Werken aus der klassischen Romantik, sondern auch mit dem gemeinsamen Singen der Nationalhymne zum Tag der Deutschen Einheit.

Daran, dass diesem Tag und seinen Ritualen aktuell eine besondre Bedeutung zukommt, erinnerte der junge Cellist Arne-Christian Pelz nach einer überzeugenden Interpretation von Dvoraks berühmtem Cellokonzert. Der 1986 in Rostock geborene Solocellist an der Deutschen Oper Berlin wies engagiert darauf hin, dass ein quasi gesamt-deutsches Konzert wie heute ohne die Wiedervereinigung Deutschland keineswegs selbstverständlich wäre; und er warnte vor den Gegnern der Freiheit und Demokratie, ganz ohne Namen zu nennen oder sich parteipolitisch zu outen. Ein wunderbares Statement, das man in diesem Zusammenhang niemals erwartet hat und deshalb gut nachwirkt. Dabei war dieser Sympath und Ausnahmekünstler als Solist des Abends gar nicht vorgesehen und kurzfristig für die verhinderte Solistin Marie-Elisabeth Hecker eingesprungen.

Dvoraks Cellokonzert in h-moll op.104 gehört zu den Big Five der Celloliteratur, das jeder Solist im Repertoire hat, natürlich auch der 31-jährige Arne-Christian Pelz. Unter der gewohnt hochkonzentrierten Leitung von Thomas Berning eröffnete das Orchester am oberen Ende des Tempos, geschlossen und pointiert. Dessen Ton klingt natürlich komplett anders als in der Kaiserpfalz, viel schärfer und klarer, mit leichter Dominanz der hohen Blechbläser.

Und schon mit den ersten Takten des Cellosolos wird klar, dass hier nichts romatisch ausufern wird, sondern ganz deutlich und ohne viel Rubato musiziert wird. Selbst die lyrischen Stellen im zweiten Satz atmen kammermusikalische Klarheit und die Dialoge zwischen Querflöte und Cello klingen genau deshalb hochemotional. Nach einem rundum gelungenen dritten Satz war der Beifall groß, es gab Bravorufe, die oben erwähnte AfD-Warnung und eine launige Allemande von Bach.

Der zweite Teil des Abends war der Es-Dur Sinfonie von Robert Schumann gewidmet, dessen Eröffnungsmotiv sicher allen Zuhörern bestens als Trailer der NRW-Sendung "Hier und HEute" in Erinnerung ist. Doch der fröhlich zupackende Ton der ersten Takte der sognenannten "Rheinischen" relativiert sich schnell. Die Sinfonie ist nicht durchgehend zum Mitsingen, spätestens im vierten Satz ist Schluss mit lustig: Die lineare Stimmführung, der hymnische Klang des um drei Posaunen bereicherten Orchesters verleihen dem Satz den Charakter eines Orgel-Präludiums, Klangfarben, die in der klassischen Sinfonie ziemlich einzigartig sind.

Eine geschlossene Leistung des Orchesters der Philharmonischen Gesellschaft und ihres Dirigenten Thomas Berning und ein gelungener Auftakt der Klassiksaison 2017/18.

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