Geigenvirtuose mit Bravorufen gefeiert - Philharmonische Gesellschaft Paderborn e.V.

Geigenvirtuose mit Bravorufen gefeiert

Westfälisches Volksblatt

Von Günther Wiedemann

Konzert 1 | 03.10.2016

Philharmonische Gesellschaft: glanzvolles Festkonzert zur Eröffnung der Saison

Paderborn(WV). Mit dem traditionellen »Festkonzert zum Tag der Deutschen Einheit« in der Paderhalle hat die Philharmonische Gesellschaft Paderborn am Montag den Konzertzyklus der kommenden Spielzeit eröffnet.

Unter der Leitung von Thomas Berning spielte das Orchester der Philharmonischen Gesellschaft Werke von Mendelssohn und Schumann. Zu Beginn erklingt die Konzertouvertüre »Meeresstille und glückliche Fahrt« von Mendelssohn Bartholdy, die Goethes Gedichtpaar mit den gleichen Titeln zur Grundlage hat. Der Zweiteiligkeit der Vorgabe entsprechend modelliert Berning die langsam dahin schleichenden Motive und die dynamischen Schattierungen der Weite und Stille des ersten Teils mit einer fein abgestimmten Balance zwischen den Streichern und den Bläsern spannungsvoll heraus. Im zweiten Teil werden von ihm die aufsteigenden Tonleitern in den Streichern und Bläsern sowie die fanfarenartigen Trompetenstöße mit anspringender Frische sorgfältig abgetönt.

Das Konzert für Violine und Orchester e-Moll, op. 64 von Mendelssohn Bartholdy zählt zu den berühmtesten Violinkonzerten überhaupt und verdankt seine große Popularität vor allem der effektvollen Virtuosität des Solo-Parts.

Der in zahlreichen Wettbewerben ausgezeichnete und international konzertierende, erst 25jährige Geiger Tobias Feldmann stellt sich den musikalischen wie technischen Herausforderungen dieses Konzerts mit hinreißender Bravour: Sein ganzer Körper schwingt und entlockt seiner Gagliano-Violine (Neapel 1769) wunderschöne, sowohl warm und voll klingende wie auch hauchzarte Töne, die von ihm in sensibler Klangpoesie verwoben werden.

Mit absoluter Sicherheit in den virtuosen Passagen sowie beeindruckender rhythmischer Präzision entwickelt der Solist die thematische Substanz des »Allegro molto appassionato« und spürt im »Andante« der Innigkeit der Kantilenen mit sparsamer Dosierung des Vibratos einfühlsam, aber ohne Sentimentalität klangschön nach.

Das Orchester der Philharmonischen Gesellschaft erweist sich als gleichgesinnter, ebenbürtiger Partner, wobei Thomas Berning das Soloinstrument trotz aller Selbstständigkeit an den entscheidenden Knotenpunkten immer wieder in den Orchesterklang integriert. Und dann das Finale! Der nur sechseinhalb Minuten lange, lebensfroh und federleicht übersprudelnde Satz fordert in seiner Verknüpfung von instrumentaler und kompositorischer Virtuosität den nicht enden wollenden Applaus und die Bravo-Rufe des Publikums geradezu heraus und wird von Tobias Feldmann mit atemberaubender Technik in der Zugabe belohnt.

Dass Robert Schumann nicht nur als Meister der kleinen Form gilt, sondern auch mit seiner Orchestermusik die deutsche Romantik empfindsam ausdrückt, beweist die Interpretation seiner Zweiten Sinfonie, C-Dur, op. 61. Thomas Berning gibt der Musik eine Zugkraft, die ganz auf das Doppelbödige bei Schumann aus ist: Indem er die Beziehungen zwischen den jeweiligen Ausdruckstypen der Sätze ausbalanciert, erzeugt er immer wieder Spannungen, die das Ringen um die kompositorische Konstruktion, die zugleich mit dem dunkel-depressiven Farbanstrich der Sinfonie eine Einheit bildet, überzeugend verdeutlichen.

Die emotionalen c-Moll-Abgründe des »Adagio espressivo« sind ein Paradebeispiel für seine Fähigkeit, sich in Schumanns Gefühlssprache zu versenken und sie im subtil abgestuften Instrumentalkolorit von Streichern und Bläsern des Orchesters der Philharmonischen Gesellschaft zum Klingen zu bringen. Der ausgedehnte, festlich triumphierende Finalsatz krönt eine rundum engagierte und stimmige Interpretation.

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