Fesselnde Streicher im Ausweichquartier - Philharmonische Gesellschaft Paderborn e.V.

Fesselnde Streicher im Ausweichquartier

Neue Westfälische

Von Gunther Gensch

Konzert 4 | 19.03.2017

St. Kilian: In dem Rundbau präsentiert die Philharmonische Gesellschaft Paderborn Mozart, Haydn und Tschaikowsky

Paderborn. Frühlingsmusik in heiteren Dur-Tonarten bot das vierte Saisonkonzert der Paderborner Philharmonischen Gesellschaft am Sonntag, diesmal in der Kirche St. Kilian. Der großzügige Rundbau gewährt Platz für 250 Besucher, ist akustisch bestens geeignet für kleinere Konzerte und dient als willkommenes Ausweichquartier für die wegen anstehender Baumaßnahmen gesperrte Kaiserpfalz.

Das Orchester erscheint in Streicherbesetzung mit Thomas Berning am Cembalo zu Wolfgang Amadeus Mozart (1756 - 1791) und der Serenade Nr. 6 D-Dur, KV 239, "Serenata Notturna" genannt, ein Abendständchen in origineller Kompositionstechnik. Dazu kommen vier weitere Musiker mit Violinen, Bratsche und Kontrabass, stehen dem Streicherensemble gegenüber, von Pauken ergänzt spielen die Klangkörper nach Art eines Concerto grosso aus der Barockzeit.

Ein majestätischer Marsch, von sehr kräftigen Pauken unterstützt, erklingt im Wechsel, das filigrane Cembalo schafft kontrastierende Distanz. Ein liebliches Thema bestimmt den zweiten Satz, vom Concertino-Quartett leicht und luftig vorgestellt, ein schnelles Rondeau mit witzig eingearbeiteten Mozart-Melodien beendet vergnüglich die Serenade.

Solist des Abends ist Michael Wild, erster Konzertmeister der Philharmonischen Gesellschaft und aktiv in allen Formationen, er spielt souverän das Violinkonzert Nr. 4 G-Dur von Joseph Haydn (1732 - 1809). Mit klangstarker Geige tritt er thematisch neben das Streichorchester und verleiht Haydn Experimentierfreude in Komposition und Arrangement lebhaften Ausdruck, flott im Allegro und schwärmerisch im Adagio, er bedankt sich mit einer furiosen solistischen Zugabe.

Nach der Pause und dem Abtransport von Pauken und Cembalo dirigiert Thomas Berning mit pointierter Gestik die Serenade für Streicher, c-Dur op. 48, von Peter Tschaikowsky (1840 - 1893). Mit Pomp und Pathos rauschen die Geigen, Celli im Gegenspiel, dann finden die Streicherstimmen zusammen, die Zuhörer erleben fesselnde Momente. Die Liebe des Komponisten zur Ballettmusik wird in dieser Serenade besonders deutlich, der zweite Satz als gefälliger Walzer erzeugt wohlige Frühlingsstimmung, mit Hingabe und Freude sind die Streicher bei der Musik.

Im Auf und Ab der Gefühle bewegt sich Satz drei als Elegie, langsam und breit angelegt entwickelt Berning die musikalischen Wirkungsquanten, in Resignation verebbt das Klanggeschehen, dann führen Celli und Violinen zu neuem Aufbegehren, Der Finalsatz m it Volksliederarrangements gewinnt sinfonischen Charakter, durch Pizzicati intensiviert, Andante und Allegro bedingen schnelle Rhythmuswechsel, zügig aber nicht gehetzt kehrt das Orchester zur pathetischen Einleitung zurück und gibt dieser Interpretation innere Geschlossenheit. Die ergriffenen Besucher danken mit ausgiebigem Beifall.

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