Energisch zum ganz großen Wurf - Philharmonische Gesellschaft Paderborn e.V.

Energisch zum ganz großen Wurf

Neue Westfälische

Von Ulla Meyer

Konzert 6 | 10.06.2018

Philharmonische Gesellschaft: In der Kaiserpfalz gibt es Kraus, Mozart und Beet-hoven. Das Orchester und der Solist Alexander Schimpf verstehen sich bes-tens. An einer Stelle muss der Dirigent aber schmunzeln

Paderbom. Zum Saisonausklang der Philharmonischen Gesellschaft gab es in der wie immer extrem gut besuchten Kaiserpfalz Wiener Klassik satt. Zweimal Beethoven und zum Auftakt ein interessantes Werk eines Klassikers, dessen Name man sich merken sollte.

Berühmte Zeitgenossen bezeichneten Joseph Martin Kraus (1756-1792) nicht nur wegen der Ähnlichkeit seiner Lebensdaten als den „Schwedischen Mozart“. Die Ouvertüre aus der Schauspielmusik zur Tragödie „Olympie“ überzeugte durch spannende Dynamik und Kontraste, die sich beim ersten Hören wie die Ankündigung eines Dramas deuten lassen. Thomas Berning setzt mit dem konzentriert aufspielenden Orchester genau hier die Akzente, exakt, spannungsgeladen und bis zum letzten Takt transparent. Ein Sekundschritt abwärts - bekannt als Seufzermotiv,- zieht sich fast wie ein roter Faden durch drei kurze Sätze und hält das Werk thematisch zusammen.

Ein hochinteressanter Auftakt zu Beethovens drittem Klavierkonzert in c-Moll, das nicht zum ersten Mal vom Orchester der Philharmonischen Gesellschaft begleitet wurde. Für den 36-jährigen Pianisten Alexander Schimpf ist es bereits die dritte Begegnung mit dem Orchester der Philharmonischen Gesellschaft in der Kaiserpfalz und man konnte deutlich hören, dass Orchester und Solist sich bestens verstehen. Nur einmal war das energische Tempo des Pianisten ein wenig zu viel für das Or­chester, als Alexander Schimpf sofort im Anschluss an den langsamen Satz das Schlussrondo begann und selbst Thomas Berning schmunzeln musste. Doch alle reagierten schnell und es wurde ein ganz großer Wurf.

Es ist nicht leicht, diesem so oft gespielten Repertoire-Werk noch ein paar individuelle Spitzen aufzusetzen. Das gelang dem absolut präzise und energetisch aufspielenden Pianisten in der Kadenz am Ende des ersten Satzes dann doch, indem er eben mehr als perfekt perlende Läufe bot, sondern die Stimmung des Satzes noch einmal aufleben ließ. Auch die Zugabe von Alexander Schimpf hat schon Tradition: ein langsames Werk von Johannes Brahms, am Sonntag das Intermezzo op. 117 Nr. 1.

Aus einer Suche erwächst ein wunderbares Thema

Nach der Pause dann Beethovens Vierte, dessen erster Satz nicht ganz leicht ist. Die ruhige Einleitung hat keine klare Tonart und zeigt keinerlei Neigung, sich irgendwo hin zu entwickeln. Das klingt suchend, tastend und leicht diffus und endet nach minimaler Überleitung in einem extremen Fortissimo, das alle Kräfte bündelt. Und aus diesem Extrem aus Blech, Holz, Streichern und Schlagwerk wächst dann ein wunderbares Thema, das leicht und quirlig wie beim Neujahrskonzert irrlichtert. Thomas Berning dirigiert genau diesen Satz auswendig, hat alle Instrumentengruppen im Blick und freut sich mit den Musikern, dass wirklich alles gelingt, auch die folgenden drei Sätze.

Genau diese Spielfreude, natürlich geerdet von solider Professionalität, ist es, was die aktuelle Qualität des Orchesters der Philharmonischen Gesellschaft ausmacht, erklärte auch Nils Gronemeyer als aktueller Vorsitzender. Eine spannende und erfolgreiche Saison ist zu Ende, weiter gehtʼs am 3. Oktober.

Zurück