Die Klassenbesten in der Kaiserpfalz - Philharmonische Gesellschaft Paderborn e.V.

Die Klassenbesten in der Kaiserpfalz

Neue Westfälische

Von Ulla Meyer

Konzert 4 | 11.03.2018

Beim vierten Saisonkonzert zeigt das Leipziger Gewandhaus-Quartett, warum das Traditionsensemble seit Generationen gepriesen wird

Paderborn. Gückliches Paderborn! Für die vielen Freunde der Kammermusik gab es in dieser Saison so einige Glanzlichter, ganz vorne das Paderborn-Debüt des Vision String Quartetts, ein blutjunges Ensemble, das die traditionelle Kammermusikszene mit Sicherheit in Bewegung setzen wird. Auf Einladung der Philharmonischen Gesellschaft gastierte am Sonntagabend das Leipziger Gewandhaus-Quartett in der Kaiserpfalz, ein Quartett mit zweihundertjähriger Geschichte, ein Quartett, das mit rund 100 Uraufführungen, darunter Werken von Mendelssohn, Schumann, Dvořák, Bruch und Reger, selbst Musikgeschichte geschrieben hat.

Aktuell spielen die Musiker in der Besetzung rund um den Konzertmeister des Gewandhausorchesters Frank-Michael Erben (Violine), Conrad Suske (Violine) und Anton Jivaev (Viola) sowie Urgestein Jürnjakob Timm, der am Cello seinen eigenen Nachfolger Leonard Frey Maibach vertritt. Und mit Dvořáks fünftem Streichquartett in f-Moll op. 9. gelang diesem Traditionsquartett ein Einstieg, der sofort alles frei legte, für das dieses Quartett seit Generationen gepriesen wird. Was die jungen Ensembles an Energie, Groove und manchmal fast dreckigem Klang in den Ring werfen, klingt beim Gewandhaus-Quartett nach Transparenz, Ausgewogenheit und Trennschärfe. Was natürlich auch wieder genial klingt, gerade im fünftem Dvořák-Quartett, das mit vielen Anleihen an slawische Folklore erstmals den späten Dvořák ahnen lässt.

Es folgte mit Anton Weberns „Langsamer Satz für Streichquartett“ ein hochexpressives Werk, verdichtet auf knappe neun Minuten, das Webern noch als Schüler von Arnold Schönberg komponier­te. Es lässt sich wunderbar darüber streiten, ob sich in diesem genialen Satz nun Brahms wiederfindet oder vielleicht doch „Tristan und Isolde“ auf gute zehn Minuten eingedampft wurde, vielleicht auch Mahler anklingt. Das Gewandhaus-Quartett überzeugt hier mit orchestralem, dichten Klang, der natürlich niemals zu Lasten der immer wieder gepriesenen Transparenz geht Ein ganz großer Wurf.

Nach der Pause dann Robert Schumanns Streichquartett in a-Moll op. 41 Nr. 1, beginnend mit einer sehr langsamen, sehr tastenden Einleitung, die der Komponist erst nach Abschluss aller vier Sätze hinzufügte. Ist sie dem entsprechend auch nicht thematisch eingebunden, so führt ihr schlichte Ausgangsmotiv doch zur Eröffnungsphase des Allegro-Teils, dessen Hauptthema von einer fließenden Sanglichkeit geprägt ist. Dazu kommt eine kreative Unruhe. ja eine Zerrissenheit, hervorgerufen durch Akzentverschiebungen, die das Gefühl der ständigen Weiterentwicklung hervorruft, was schnell auf Kosten der inneren Geschlossenheit geht.

Natürlich nicht beim Gewandhaus-Quartett, das alle Klippen sauber umschifft und manchmal so keimfrei und perfekt daherkommt, als würden es sich um den unbeliebten Platz als Klassenbester bewerben. Ein Eindruck, der sich dann wieder mit einer sahnigen Zugabe relativiert, ein inniges Adagio von Mendelssohn.

Zurück