Das ungarische Flair reißt die Zuhörer mit - Philharmonische Gesellschaft Paderborn e.V.

Das ungarische Flair reißt die Zuhörer mit

Westfälisches Volksblatt

Von Juliane Fröhling

Konzert 5 | 05.05.2019

Duo Jávorkai und Pianistin Clara Biermasz werden in der Kaiserpfalz mit viel Beifall belohnt

Paderborn (WV). Von Rhapsodie über Csárdás bis hin zu Zigeunerweisen: Das Duo Jávorkai und Pianistin Clara Biermasz haben ungarisches Flair nach Paderborn gebracht.

Die ungarische Musik ist von vielen Einflüssen geprägt und bietet somit eine abwechslungsreiche Spannbreite, mit der sich gut ein ganzer Abend füllen lässt. Davon können sich am Sonntagabend zahlreiche Zuhörerinnen und Zuhörer in der Kaiserpfalz überzeugen.

Auf Einladung der Philharmonischen Gesellschaft ist das ungarische Brüderduo Jávorkai mit ihrer Pianistin Clara Biermasz in der Domstadt zu Gast. Sie bringen ein vielseitiges Programm aus der Puszta, ihrer Heimat mit. Gespickt mit einer humorvollen und persönlichen Moderation lebt der Konzertabend von einer großartigen Authentizität.

Das fängt schon bei Haydns »Zigeunertrio« für Violine, Cello und Klavier an: Kommt es zunächst noch als typisch klassischer Haydn daher, setzen die Musiker mit minimalen Verzögerungen und Ausschmücken ihren persönlichen Akzent. Das setzt sich bei einer eigenen Bearbeitung von Liszts berühmter »Ungarischer Rhapsodie« fort. Geige und Cello übernehmen dabei den komplexen Klavierpart und offenbaren die große Virtuosität der Musiker. Auch bei Kodály oder Bartók demonstrieren sie mit unterschiedlichsten Techniken die vielseitigen Facetten ihrer Instrumente. Mit Brahms berühmtem »Ungarischen Tanz Nr. 5« reißen sie das Publikum vor der Pause mit ihrer Leidenschaft mit.

Dem Geiger Sándor Jávorkai kommen dabei selbst die schnellsten Läufe oder schwierigste Techniken lockerflockig aus dem Handgelenk. Sein Spielen ist sowohl geprägt von einer beeindruckenden Leichtigkeit als auch von einer faszinierenden Virtuosität. Sein Bruder Ádám Jávorkai steht dem im Nichts nach. Er beherrscht sein Cello im Schlaf und transportiert mit in den Ohren westdeutscher Musikliebhaber ungewöhnlich klingenden Tönen das ungarische Flair. Pianistin Clara Biermasz weiß ihr Instrument gekonnt als Solo- und Begleitstimme einzusetzen. Als Niederländerin gelingt es auch ihr, das Besondere der ungarischen Musik leidenschaftlich zu vertonen.

Sowohl im Trio als auch im Duo oder solistisch kommt die Spielfreude zu jedem Zeitpunkt zum Ausdruck. In höchster Professionalität sind sie perfekt aufeinander abgestimmt und musizieren auf höchstem musikalischem Niveau. Das setzt sich auch nach der Pause fort, als unter anderem der technisch höchst anspruchsvolle »Hora staccato« von Dinicu zu hören ist. Mit der berühmten »Carmen-Fantasie« und dem wohl bekanntesten »Csárdás« von Monti, einem ungarischen Tanz, endet der Konzertabend nach dem offiziellen Programm.

Das Publikum hat jedoch noch nicht genug: In einer über halbstündigen Zugabe treffen sich nach Chopin unter anderem Paganini, der Hummelflug und Vogelgezwitscher in einem mitreißendem Brüder-Battle zwischen Violine und Cello. Auch wenn es für den einen oder anderen Zuhörer am Ende doch etwas lang wurde, gibt es nochmal begeisterten Applaus.

Zurück