Cellist wirbt für Demokratie - Philharmonische Gesellschaft Paderborn e.V.

Cellist wirbt für Demokratie

Westfälisches Volksblatt

Von Günther Wiedemann

Konzert 1 | 03.10.2017

Festkonzert zum Tag der Deutschen Einheit ein musikalisches und politisches Statement

Paderborn (WV). Werke von Antonin Dvorak und Robert Schumann standen im Mittelpunkt des Festkonzerts zum Tag der Deutschen Einheit, mit dem die Philharmonische Gesellschaft Paderborn auch in diesem Jahr traditionell ihren Konzertzyklus der kommenden Spielzeit in der Paderhalle eröffnete.

Erstmals konnten die Musikfreunde in neuen, bequemen Sesseln Platz nehmen, die der ganzen Halle, in deutlichem Kontrast zum ebenfalls erneuerten Parkettfußboden und der hellen Wandverkleidung aus Holz, mit ihrem dunklen, warmen und zugleich feierlichen Farbton ein modernes und zeitgemäßes Gepräge geben.

Das Konzert für Violoncello und Orchester h-moll von Antonin Dvorak zählt zu den berümtesten und meistgespielten Cellokonzerten überhaupt. Da die Cellistin Marie-Elisabeth Hecker ihren Aufttritt in Paderborn absagen musste, stand nun nach kurzfristiger Zusage der vielfach mit Preisen nationaler und internationaler Wettbewerbe ausgezeichnete Erste Solocellist der Deutschen Oper Berlin im Mittelpunkt des Konzertabends.

Nach der spannungsgeladenen Introduktion des Orchesters nahm der Solist im einleitenden »Allegro« das strahlende Kopfthema mit klug disponierten Steigerungen auf. Klangschön und beseelt spielte Arne Christian Pelz das ausdrucksstarke, elegische Thema des »Adagio cantabile« und entfaltete tonliche Eleganz, die sich mit zupackendem Temperament und expressiver Intensität zu einer Interpretation von sensibler Klangpoesie verband. Im abschließenden »Allegrao Moderate« meistertte er die technischen Anforderungen dieses effektvoll-tänzerischen Finales mit atemberaubender Virtuosität, Zugleich war er aber immer auch auf Dialog bedacht, so dass sich im Zusammenspiel von Orchester und Solo-Cello eine nicht oft zu hörende Verbindung von sinfonisch krätigen Tutti-Ausbrüchen und unruhig figurerter Begleitung ergab.

Thomas Berning am Dirigentenpult nahm die sinfonische Anlage des Orchesters schon in der einleitenden Expositionn nsehr ernst und verdichtete die klanglichen Entwicklungen zu leuchtender Intensität, wobei das Orchester der Philharmonischen Gesellschaft im ersten und dritten Satz insbesondere in den Blechbläsern so deutlich dominierte, dass die virtuos-lyrischen Passagen des Solo-Cellos nicht ohne Mühe hörbar waren. Langer, begeisterter Applaus des Publikums wurde als Zugabe mit einer »Allemande« für Cello solo von Johann Sebastian Bach belohnt.

Die Ausgewogenheit der einzelnen Klanggruppen forderte das Publikum zu begeistertem und nicht enden wollendem Applaus heraus.

Arne-Christian Pelz wandte sich zuvor an das Publikum, indem er auf die Bedeutung des 3. Oktobers als Tag der Deutschen Einheit hinwies und betonte, dass sich laute Kräfte Gehör zu verschaffen versuchten: »Auch wir sollten laut sein, Argumente schärfen und offen sein.«

Robert Schumanns 3. Sinfonie in Es-Dur, die »Rheinische«, bildete den zweiten Teil des Konzerts. Das energiegeladene Kopf-Thema ist vielen Fernsehzuschauern bekannt, da es als Titelmusik für die regionale Nachrichtensendung »Hier und Heute« verwendet wird. In seiner Interpretation setzte Thomas Berning mit federnd impulsivem Dirigat immer wieder auf temperamentvolle Gestaltungsimpulse. Detailgenau formte er die klangfarblichen Schattierungen im dritten Satz, so dass einee breite dynamische Skala die Wiedergabe bestimmte. Die Ausgewogenheit der einzelnen Klangruppen – die Schlagkraft des Blechs, das solistische Niveau der Holzbläser sowie der Glanz und die Biegsamkeit der Streicher – forderte das Publikum zu begeistertem und nicht enden wollendem Applaus heraus.

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