Aus dem Jazz eine Dame gemacht - Philharmonische Gesellschaft Paderborn e.V.

Aus dem Jazz eine Dame gemacht

Westfälisches Volksblatt

Von Hermann Knaup

Konzert 2 | 18.11.2018

Brillante Aufführung des »Arte Ensemble« - Schauspieler Dominique Horwitz rezitiert den Soldaten-Text

Paderborn (WV). Zwei bemerkenswerte Musikwerke aus der Zeit des Weltkriegsendes standen am Sonntag auf dem Programm des zweiten Saisonkonzerts der Philharmonischen Gesellschaft in der Kaiserpfalz: Erwin Schulhoffs »Suite für Kammerorchester« (1921, später arrangiert von Andreas Tarkmann) und Igor Strawinskys »LʼHistoire du Soldat« (Geschichte vom Soldaten, 1918).

Die unterschiedlichen Biografien wie auch das musikalische Schaffen beider Komponisten sind dramatisch geprägt von den Wirren der Kriegszeit und den damaligen gesellschaftlichen und kul­turellen Umbrüchen. Der bekannte Schauspieler Dominique Horwitz eröffnet den Konzertabend mit Schulhoffs provokantem »Prolog« zur Suite.

Dann beginnen die sieben versierten Instrumentalisten des »Arte Ensemble« zu musizieren, ma­kellos und perfekt. Schulhoffs Musik eröffnet völlig neue kompositorische Perspektiven. Sie emanzipiert Musikrichtungen wie Ragtime, Tango, Shimmy, Step und Jazz als salonfähig. Moderator Benno Ure bringt diese Entwicklung auf den Punkt: »To make a lady out of Jazz« (aus dem Jazz eine Dame machen). Eben dieses Gemenge an Musikstilen realisiert das »Arte Ensemble« schlichtweg brillant.

Strawinskys »LʼHistoire du Soldat« nimmt sich das Wander- und Straßentheater zum Vorbild. In der Geschichte vom Soldaten verkauft ein ausgemergelter Soldat seine Geige an den Teufel, damit zugleich seine Seele und Identität. Dafür erhält er ein vorausschauendes Buch, das ihm zunächst viele Vorteile verschafft. Doch alle Versuche, aus dem Netz diabolischer Verstrickungen zu entkommen und wieder zu sich selbst zu finden, scheitern hoffnungslos.

Dominique Horwitz spricht die Dialogtexte. Sein schwarzes Jackett, das rote Hemd sowie rote Schnürsenkel werden zur symbolhaften Requisite des Diabolischen. Dem Darsteller gelingt es genial, die Rolle des naiven und ausgetricksten Soldaten sowie die des zynischen Teufels gekonnt unterschiedlich zu deklamieren und darstellerisch mit Leben zu füllen. Stimmmodulationen, Mimik und Gestik sind beeindruckend.

Mit traumhafter Sicherheit bewältigt die Violinistin die extrem komplizierten Doppelgriffe.

Die längst bewährte Zusammenarbeit von Horwitz und dem »Arte Ensemble« manifestiert sich auch im gekonnten Wechselspiel von Textinterpretation und souveräner Musizierkunst. Die Musi­ker beherrschen die häufigen Wechsel der Taktarten, die unterschiedlichen Musikstile und lassen die teilweise ironischen Anklänge in den persiflierten Märschen und Chorälen deutlich spürbar werden. Bewundernswert bleibt auch, mit welch traumhafter Sicherheit Latica Honda-Rosenberg die extrem komplizierten Doppelgriffe auf ihrer Violine bewältigt.

Die Zuhörer erleben eine höchst respektable Konzertveranstaltung, in der Erwin Schulhoffs »Suite für Kammerorchester« als eine eher unbekannte Komposition zu Recht in den Fokus gerückt wird. Mit stürmischem Schlussapplaus dankt das Publikum allen Mitwirkenden für einen engagierten und faszinierenden Konzertabend.

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