Atemberaubende Technik - Philharmonische Gesellschaft Paderborn e.V.

Atemberaubende Technik

Westfälisches Volksblatt

Von Günther Wiedemann

Konzert 5 | 09.05.2017

Begeisterndes Gastspiel des »Quartetto Energie Nove« im Audienzsaal

Paderborn(WV). Streichquartette von Schostakowitsch, Mendelssohn Bartholdy und Schubert standen im Mittelpunkt des fünften Konzerts der Philharmonischen Gesellschaft Paderborn. Zu Gast im Audienzsaal in Schloß Neuhaus war das »Quartetto Energie Nove«.

Es zählt zu den besonderen Ereignissen, wenn die Streichquartette von Dmitri Schostakowitsch im Konzertsaal gespielt werden. So setzen die vier wiederholt international preisgekrönten Musiker Hans Liviabella und Barbara Ciannamea (Violinen), Ivan Vukcevic (Viola) sowie der gebürtige Paderborner Felix Vogelsang (Violoncello) mit der Wiedergabe seines noch ganz der klassisch-romantischen Tradition verpflichteten ersten Streichquartetts schon zu Beginn ihres Konzerts einen besonderen Akzent.

Ob im sanften ersten Satz, im zweiten Moderato mit der volksliedhaften Melodie in der Bratsche oder im abschließenden quirlig lebendigen Scherzo: Hier zeigt sich die stilistische Erfahrung des Quartetts, das unter Beachtung der Balance aller Stimmen den eher leichten und heiteren Charakter der Komposition in fesselndem Zusammenspiel sorgfältig durchformt.

Das a-Moll-Quartett op. 13 des erst 18-jährigen Felix Mendelssohn Bartholdy zählt zu den bedeutenden Frühwerken des Komponisten, in dem er die Tradition des Quartettschaffens von Beethoven fortführt. Vom ersten Ton an besticht das klangvoll aufspielende Ensemble mit fein abschattierten Farben und begeistert mit einer äußerst differenzierten Spielweise. In einem jederzeit aufeinander bezogenen künstlerischen Dialog werden feinste kompositorische Details einfühlsam abgestimmt und geheimnisvoll schwebend zu einem bezaubernden Hörerlebnis kultiviert.

»Der Tod und das Mädchen« – mit diesem alten Bildmotiv befasste sich Franz Schubert zunächst in einem Klavierlied, dann in seinem d-Moll-Streichquartett, das nach der Pause den zweiten Teil des Konzertabends füllt. Der Tod ist in dieser Musik in allen vier Sätzen mit »unerhörten« Klängen vom trostreichen Dur bis zum unabwendbaren Moll allgegenwärtig und betrifft alle Menschen in ihrer Vergänglichkeit.

Die Interpretation der vier Musiker wird zum Höhepunkt des Kammermusikabends: Es sind die makellose Intonation und der ausgewogene Klang im langsamen Variationensatz, der das dem Lied entnommene Thema mit hauchzartem Spiel in der ersten Geige zu abgeklärter Ruhe führt. Die sich bis an die Grenzen der Wildheit steigernden dramatischen Entwicklungen im einleitenden »Allegro vivace« und im »Presto« des Finales zeigen das »Quartetto Energie Nove« erneut als ein perfekt aufeinander abgestimmtes Ensemble, dessen atemberaubende Technik und Intensität des Spiels direkt unter die Haut gehen.

Beschwingt und technisch rasant belohnt als Zugabe der »Tanz der Komödianten« aus der Oper »Die Verkaufte Braut« von Smetana den lang anhaltenden und begeisterten Applaus des Publikums. Mit dem dynamisch-expressiven Klang des kurzen Satzes Nummer 11 aus dem »Officium breve« des ungarischen Komponisten György Kurtág verklingt ein Kammermusikabend auf hohem musikalischen Niveau bis ins Unhörbare.

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