Alte und neue Werke in barocker Stimmung - Philharmonische Gesellschaft Paderborn e.V.

Alte und neue Werke in barocker Stimmung

Westfälisches Volksblatt

Von Hermann Knaup

Konzert 5 | 15.04.2018

Fünftes Saisonkonzert: Moderne Komponisten lassen sich von Purcell und Vivaldi inspirieren

Paderborn (WV). Das Streicherensemble des Orchesters der Philharmonischen Gesellschaft Paderborn sowie die Pianistin Nadja Naumova führten am Sonntag unter der souveränen Leitung von Domkapellmeister Thomas Berning in der Kaiserpfalz bedeutende Werke mit barocker Prägung auf. Die Aufführenden hatten ein beziehungsreiches Programm von Kompositionen der Barockzeit sowie Werken neuzeitlicher Komponisten zusammengestellt, die sich von der Musik und den Stilmitteln des Barock inspirieren ließen.

Von Leopold Stokowski, dem langjährigen Dirigenten des Cincinnati Symphony Orchestra, stammt »Dido’s Lament«, eine Bearbeitung der Arie »When I Am Laid In Earth« aus Henry Purcells Barock-Oper »Dido and Aeneas«. Mit diesem instrumentalen Arrangement eröffnete das Orchester den Konzertabend und spielte diese Musik sehr ausdruckstark und transparent zugleich, so dass die barocktypischen chromatischen Abwärtsmelodien, die »Seufzermotive« der trauernden Dido, dem ansonsten voluminösen, romantischen Klanggestus gegenüber deutlich herausgestellt wurden.

Die aus Swerdlowsk stammenden Pianistin Nadja Naumova (geboren 1976) brillierte anschließend mit spieltechnisch hohem Niveau in Johann Sebastian Bachs Klavierkonzert d-Moll, BWV 1052. In diesem Werk verwendet Bach, im Sinne des im Barock üblichen Parodieverfahrens, Motive, die er auch in seinen Kirchenkantaten Nr. 146 und 188 einsetzt. Bemerkenswert ist obendrein, dass Bach in seinen Cembalokonzerten von 1738 bereits das später übliche, dreisätzige Konzertmuster verwendet.

In seinem 1996 komponierten Werk »Palladio« greift Karl Jenkins (geboren 1944) auf den barocken Typus des »Concerto grosso« zurück und verbindet in seiner Musik barocke Formen, Motive und Rhythmen mit Harmonien der Moderne. In mehreren Passagen sind Anklänge an Vivaldis rhythmischen Begleitungsmustern unüberhörbar. Namentlich ließ sich Jenkins durch den italienischen Renaissance-Baumeisters Andrea Palladio inspirieren und übertrug dessen Architekturideen auf die musikalische Verlaufsform seines Palladio-Concertos. Dem Orchester gelang eine sehr nuancierte Gestaltung des spannungsreichen Werkes.

Auch das abschließende Bach-Klavierkonzert in A-Dur, BWV 1055, wurde mit erfrischender Virtuosität aller Beteiligten engagiert realisiert. Nach dem lang anhaltenden Applaus spielte Nadja Nau-mova als Zugabe Bachs bekannte »Zweistimmige Invention« Nr. 8 in F-Dur. So mancher Klavierspieler im Publikum wird sich dabei gern an seine eigenen Klavierstunden und damit an eigene Erfahrungen mit der Vielfalt der Barockmusik erinnert haben.

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