Konzert 1 - Philharmonische Gesellschaft Paderborn e.V.

Konzert 1

 / Paderhalle

Festkonzert zum Tag der Deutschen Einheit

Orchester der Philharmonischen Gesellschaft Paderborn
Alexander Schimpf / Klavier
Thomas Berning / Dirigent

Robert Schumann (1810 - 1856)
Sinfonie Nr. 1 B-Dur op. 38

Ludwig van Beethoven (1770 - 1827)
Klavierkonzert Nr. 4 G-Dur op. 58

Solche Konzerte, wie sie Ludwig van Beethoven seinem Wiener Publikum zumutete, würde sich heute kein Auditorium mehr gefallen lassen. Am 22. Dezember 1808 spielte er als Pianist die öffentliche Premiere seines vierten Klavierkonzertes op. 58. In der gleichen von ihm veranstalteten Akademie wurden auch die fünfte und die sechste Symphonie (die „Schicksalssymphonie" und die „Pastorale") und Teile der Messe C-Dur op. 86 uraufgeführt. Als Schlusspunkt, der alle Beteiligten noch einmal auf die Bühne holte, hatte Beethoven zusätzlich die Chorphantasie extra für diesen Anlass geschrieben. Bei diesem Marathon-Konzert voller Novitäten hatte Beethoven seinen letzten Auftritt als Solist.

Das Konzert beginnt mit der für diese Epoche ungewöhnlichen Vorstellung des Hauptthemas durch den Solisten statt das Orchester. Die im späteren 19. Jahrhundert ganz normale Mitwirkung des Klaviers am Beginn des Kopfsatzes eines Konzertes war zu Beethovens Zeit zwar nicht ohne Vorbilder, aber doch ungewohnt und originell. Der Kopfsatz nimmt fast die Hälfte der Spieldauer des gesamten Konzertes ein, gegenüber seinen ausladenden Dimensionen wirkt das Andante con moto wie ein auf das Finale vorbereitendes Zwischenspiel.

Ein phantasievoller Biograph des 19. Jahrhunderts hat in diesem Satz Orpheus gesehen, der mit seinem Gesang die Furien der Unterwelt besänftigen muss. Dieser langsame Satz geht direkt in das Schlussrondo über. Beethoven benutzt hier zum ersten Mal im ganzen Stück die Trompeten und Pauken im Orchester, die jedes Mal herausgestellt werden, wenn das ganze Orchester den Refrain des Rondos mit seinem Fanfarenrhythmus anstimmt. Der Refrain, der gemessen an der Länge des Satzes übrigens erstaunlich selten wiederholt wird, beginnt in der Subdominante und moduliert erst zur Tonika des Satzes (und des ganzen Konzertes) G-Dur. Dadurch ergibt sich bei jedem Einsatz ein gewisses Überraschungsmoment. Nach der Möglichkeit einer Kadenz für den Solisten beendet ein strettaartiger Schlussabschnitt in beschleunigtem Tempo das Konzert ausgesprochen virtuos und effektvoll.

Als Ludwig van Beethoven im März 1827 in Wien starb, war Robert Schumann gerade 16 Jahre alt. Er lebte in seiner Geburtsstadt Zwickau, stand ein Jahr vor dem Abitur und beschäftigte sich in seiner Freizeit mit Leidenschaft und Ernsthaftigkeit mit Musik und Literatur. Natürlich hat sich auch Robert Schumann als Konzertbesucher, als Autor und als Komponist mit Beethoven beschäftigen und an Beethoven „abarbeiten" müssen. So heißt es in einem Text aus dem Jahr 1839: „Wenn der Deutsche von Symphonien spricht, so spricht er von Beethoven: die beiden Namen gelten ihm für eines und unzertrennlich, sind seine Freude und Stolz".

Beethovens symphonische Errungenschaften wurden dabei von Schumann und von vielen anderen Komponisten des 19. Jahrhunderts zugleich als inspirierend und Furcht einflößend empfunden. Kann man nach Beethoven überhaupt noch Symphonien schreiben? Eine ganze Strömung der romantischen Musik beantwortete diese Frage mit einem klaren Nein und selbst die besten der an den klassischen Formen festhaltenden Komponisten (denken sie an Brahms!) brauchten lange, um sich zu trauen, eine Symphonie nach Beethoven zu schreiben.

Schumann hatte vor allem Angst vor einer zu starken Nachahmung des Wiener Klassikers: „Anklänge finden wir wohl, [...] nur zu viele und starke; Aufrechterhaltung oder Beherrschung aber der großartigen Form, wo Schlag auf Schlag die Ideen wechselnd erscheinen und doch durch ein inneres geistiges Band verkettet, mit einigen Ausnahmen nur
selten" heißt es in einem Text von 1839.

Robert Schumann war immerhin schon 20 Jahre alt, als er an der Seite seiner Frau Clara am 31. März 1841 im Leipziger Gewandhaus die erfolgreiche Uraufführung seiner Symphonie Nr. 1 in B-Dur op. 38 erlebte. Der Dirigent war der damalige Gewandhauskapellmeister Felix Mendelssohn Bartholdy, ein persönlicher Freund des Ehepaares Schumann. Die Symphonie kam beim Publikum schon bei der Uraufführung gut an.

Schumann muss seine erste Symphonie fast im Rausch geschrieben haben: Nach seiner eigenen Aussage war die Konzeption des Stückes innerhalb von vier Tagen fertig, dann folgte die Instrumentierung, die ihm ebenfalls zügig von der Hand ging - obwohl er bisher kaum für Orchester, sondern vor allem für das Klavier geschrieben hatte. Die formale Anlage greift den Bauplan einer Symphonie auf, wie Beethoven ihn beispielhaft verwendet hatte, denkt ihn aber weiter. So liegt der Schwerpunkt im ersten Satz nicht auf der ausführlichen Vorstellung zweier kontrastierender Themen, sondern im ausgreifenden Durchführungsteil, der in einer sehr freien, assoziativen Weise mit den Themen umgeht. In der Coda bringt Schumann dann noch ein völlig neues Motiv ein und verarbeitet es.

Der zweite und dritte Satz gehen ohne Pause in einander über. In der Coda des langsamen Satzes klingt dann auch schon in den Posaunen und Fagotten das Hauptthema des folgenden Scherzos an. Das Scherzo ist durch die Einfügung eines zweiten Trios von der drei - zu einer fünfteiligen Form ausgeweitet, eine Anlage, die man auch bei Beethoven schon findet. Der Schlusssatz, ein Allegro animato e grazioso in Sonatenhauptsatzform ist formal ausgesprochen komplex gebaut, wie schon im Kopfsatz gibt es auch hier zahlreiche Querverbindungen und ungewöhnliche formale Lösungen. Das alles tritt aber in den Hintergrund vor der überschäumenden Lebensfreude und der Leichtigkeit der Musik. Der Hörer wird überwältigt und in diese Stimmung hineingezogen.

Alexander Schimpf, Pianist

"Vielleicht gibt es sie ja noch, die Tonkünstler jüngerer Generation, die ihr Publikum ihrem
musikalischen Talent und nicht außermusikalischen, boulevardtauglichen Sensationen verdanken. Alexander Schimpf, der heuer den Wiener Beethoven-Klavierwettbewerb gewonnen hat, könnte einer dieser künftigen Helden eines reformbedürftigen Klassikbetriebs werden..."

So schrieb die "Süddeutsche Zeitung" nach einem Klavierabend des Pianisten im Kleinen Saal des Münchner Gasteigs. In den vergangenen Jahren machte Alexander Schimpf durch eine eindrucksvolle Serie bedeutender Wettbewerbserfolge auf sich aufmerksam, indem er 2008 zunächst den Preis des Deutschen Musikwettbewerbs erhielt (eine Auszeichnung, die zuvor 14 Jahre lang kein Pianist erhalten hatte), im folgenden Jahr den 1. Preis des Internationalen Beethoven-Wettbewerbes in Wien gewann und schließlich 2011 beim Internationalen Klavierwettbewerb in Cleveland/USA als erster deutscher Pianist in der Geschichte des Wettbewerbes mit dem 1. Preis ausgezeichnet wurde.

Seit diesen großen Erfolgen entfaltet sich seine Laufbahn auf internationaler Basis - so enthielt sein Konzertkalender Debüt-Auftritte im Konzerthaus Wien, im Konzerthaus Berlin, in der Zankel Hall/Carnegie Hall in New York und im Marinskij-Konzertsaal St. Petersburg.

Geboren in Göttingen, absolvierte Alexander Schimpf seine Studien bei Wolfgang Manz, Winfried Apel und Bernd Glemser und erhielt weitere Anregungen von Cécile Ousset und Janina Fialkowska.

Konzertauftritte führten ihn bereits in zahlreiche deutsche Städte sowie zu Festivals wie Oberstdorfer Musiksommer, Heidelberger Frühling und Ludwigsburger Schlossfestspiele. Der Pianist erhielt Einladungen nach Frankreich, Italien, Österreich, in die Schweiz, nach Polen, England sowie mehrfach nach Südamerika. Sein Debut- Konzert in New Yorks Carnegie-Hall fand im Dezember 2011 statt.

Dieses Konzertereignis ensteht in Zusammenarbeit mit der Werbegemeinschaft Paderborn und wird gefördert von der Sparkasse Paderborn-Detmold

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